Das war Hawaii 2018

Wie und wo soll ich anfangen? Der Trip nach Hawaii hatte so viele Facetten, dass es mir schwer fällt das Erlebte zusammen zufassen.

Auch wenn die Ironman Weltmeisterschaft ein weiterer sportlicher Höhepunkt meiner Triathlonkarriere war, sind die Tage, Stunden und Minuten die ich mit meiner Familie auf Big Island verbringen durfte noch mehr im Gedächtnis geblieben.

Die Tage (und besonders die Nächte) sind mit zwei Kleinkindern auf jeden Fall anders, als wenn man als kinderloses Paar solch eine Reise unternimmt. Joshua und Samuel haben die Zeit auf Hawaii so sehr genossen und jeder Tag mit den beiden war etwas besonderes für uns. Wie sie die „Welt“ erkundet haben, die Eindrücke verarbeitet haben, wird uns immer im Gedächtnis bleiben und bei den Gedanken daran ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Auch das sehr gute Freunde die Reise nach Hawaii mitgemacht haben und wir gemeinsam schöne Stunden an diesem besonderen Ort verleben durften, war etwas, was diese Reise zu etwas ganz Speziellem gemacht hat. Vielen Dank an Eva S., Claudia B. und Andreas B. für die tolle Zeit und das gemeinsam Erlebte.

Die vielen Erlebnisse und Touren würden mehrere Fotobücher füllen und die Auswahl kann auch nur erahnen lassen, was Hawaii zu bieten hat. Für mich wird es immer einer der schönsten Flecken der Erde sein.

Die Tage vor dem Rennen ließen kaum Wettkampf-Feeling und/oder eine gewisse Anspannung aufkommen. Dazu war es zu sehr Urlaub. Was aber in diesem Jahr gewollt und so genau richtig war.

Wir haben wieder viel Neues erlebt und gesehen. Und doch bleiben auf Big Island noch so viele Plätze, die entdeckt werden wollen. Wir müssen also wieder zurück kommen.

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Aber da war doch noch was…

IRONMAN World Championship – Kailua-Kona – 13. Oktober 2018

Die Vorzeichen standen gut und die eigenen Erwartungen waren hoch. Die Akklimatisierung war perfekt, da wir schon 14 Tage vor dem Rennen auf der Insel waren. Doch dann zeigte sich schon in den Tagen vor dem Start, dass doch nicht alles so perfekt war, wie es hätte sein müssen, um bei einer Weltmeisterschaft mit den „großen Hunden“ mitspielen zu können.

Das Schwimmen und Radfahren verlief problemlos und das Schwimmen ist in der Bucht von Kailua-Kona immer ein sensationelles Erlebnis. Fische und Schildkröten begleiteten einen und wenn man Glück hatte auch Delfine. Das Radfahren auf dem Queen-K. gibt mir das Gefühl zu einem erlesenen Kreis zu gehören, dem es vergönnt ist hier zu sein. Wenn einem dann Sebastian Kienle, Patrick Lange und Daniela Ryf auf dem Highway begegnen weiß man, dass hier etwas besonderes bevorsteht.

Das Laufen war im Vorfeld eine Katastrophe. Bei den 3 Läufen in den ersten 8 Tagen musste ich jeweils nach ca. 3-4km das Laufen einstellen, da die Schmerzen im vorderen Oberschenkel so groß waren, dass an Weiterlaufen nicht zu denken war. Julia hat mein Bein dann fast täglich behandelt und das Gefühl war am Donnerstag vor dem Rennen auch so, dass ich keinen Schmerz mehr verspürte. Danke nochmal Schatz! Du hast einfach magische Hände.

Leider verspürte ich ab Freitag dann schon einen leichten Schmerz im anderen Oberschenkel. Ich vermute, dass ich durch den Schmerz im linken Bein das rechte falsch belastet habe. Bis zum Start blieb aber keine Zeit mehr das Problem anzugehen. Und so war am Race Day Morgen das Gefühl schon nicht mehr so optimistisch.

Trotzdem habe ich die Atmosphäre am frühen Morgen genossen und jeden Moment eingesogen. Nach Profi-Männern und Frauen wurden wir um 7:05 Uhr ins Rennen geschickt.

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Nach 2km hatte ich 35 Minuten auf der Uhr und war vorsichtig optimistisch meine anvisierte Zeit von 1:14 Std. zu erreichen. Das ich dann erst nach 1:18 Std. aus dem Wasser stieg, bestätigte meine Befürchtungen vom Training, dass die Strömung mir auf dem Rückweg zu schaffen machen könnte.

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Aber das sollte an diesem Tag nicht die letzte Enttäuschung sein. Schon bei den ersten leichteren Belastungen auf dem Kuakini Highway verspürte ich einen leicht stechenden Schmerz im rechten Oberschenkel. Ich hoffte das sich das noch geben würde, doch auf den ersten 90km bis Hawi stellte sich keine Besserung ein. Ich konnte zwar 10 Athleten meiner Altersklasse überholen, wusste aber, dass ich mit meiner Schwimmzeit noch einige schnelle Schwimmer vor mir habe. Die Bedingungen beim Schwimmen und speziell beim Radfahren waren perfekt. Zu perfekt und für Hawaii einfach zu leicht, um als sehr guter Radfahrer viel Boden gut machen zu können. Zum einen waren die anderen auch sehr gute Radfahrer und zum anderen waren die Bedingungen so gut, dass auch die guten Radfahrer schnell fahren konnten. Auf dem Rückweg half mir und allen anderen der Rückenwind. So konnte ich den Oberschenkel zumindest etwas schonen und der Schmerz war kaum zu spüren. Mit 5:24 Std. wäre ich bei härteren Bedingungen wahrscheinlich zufrieden gewesen. Bei diesen athletenfreundlichen Winden (und die eine oder andere große Radgruppe die mir entgegen kam – Drafting Sucks!) konnte ich nicht zufrieden sein. Die Wattwerte sprechen eine deutliche Sprache. 187 Watt (NP) gegenüber 211 Watt (NP) bei den European Championship.

Das Laufen lehrte mich dann viel Demut. Nach einer Meile stand Julia an der Strecke und wenn ich nicht bei jedem Langdistanz-Wettkampf mir das Motto „DNF is no Option“ an die Fahne heften würde, wäre ich hier wahrscheinlich ausgestiegen.

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Julia sagte mir, dass ich auf Position 18 liegen würde. Nach dieser Information sagte mir der Kopf: Was soll das hier alles? Warum tust du dir das an? Es werden noch lange 40 Kilometer, bei Temperaturen von über 30 Grad. Der Schweinehund rief mir von meiner Schulter zu: Hör auf. Du willst das doch hier alles gar nicht mehr. Die „Green Machine“ stand kurz vor einem Motorschaden.

Doch dann muss der Schweinhund beim Laufen auf dem Alii-Drive unter der hawaiiarischen Sonne vertrocknet sein, denn es meldete sich mein Kampfgeist. Ich wollte also „den Frodo von 2017 machen“. Er hat das Rennen im Vorjahr auch trotz großer Schmerzen und ohne Gewinnchancen zu Ende gebracht. So wurde aus einem Marathonlauf ein Marathon-Geh-Lauf.

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Immer wieder wurde ich von Athleten aus meiner Altersklasse überholt. Wurde platzierungsmäßig durchgereicht. Frauen und Männer liefen 5 Stunden lang an mir vorbei. Soweit ich mich erinnere habe ich keinen einzigen Athleten überholt. 🙂

An jeder Verpflegungsstelle wurde ausgiebig getrunken und gekühlt. Dazwischen hatte ich viel Zeit die hawaiianische Landschaft zu bewundern, andere mir bekannte Athleten und Athletinnen anzufeuern und zu rechnen, wann ich endlich im Ziel bin.

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Die letzte Demütigung auf der Laufstrecke musste ich dann noch verhindern. Um 18 Uhr geht in Hawaii die Sonne unter und es wird fast schlagartig dunkel. Wenn man dann noch draußen auf dem Highway auf der Laufstrecke unterwegs ist, wollen einem die Volunteers (übrigens waren die alle wieder großartig!) einen Leuchtstick um den Hals legen, damit man besser gesehen wird. Ich habe den Leuchtstick mit der Begründung abgelehnt, dass ich gleich im Ziel wäre und nur noch 4 Kilometer zu laufen hätte. Für mich ist so ein Light-Stick der Inbegriff der Langsamkeit und auch wenn ich mit einem Marathon von 5:14 Std. die Langsamkeit für mich beanspruchen muss, wollte ich das Ding nicht. 🙂

Aber am Ende des Tages ging es für mich um das Ankommen im Ziel auf dem Alii-Drive. Nach 12:08:02 Stunden war auch für mich der längste Tag des Jahres vorbei. Die 12 Stunden-Marke habe ich mir am Ausgang des „Energy Labs“ ca. 10 Kilometer vor dem Ziel abgeschminkt. Ich wollte lieber klar über 12 Stunden bleiben, als die 12 Stunden knapp zu verfehlen, was mich wahrscheinlich noch mehr geärgert hätte.

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In der letzten halben Stunde auf der Laufstrecke hatte ich dann auch schon Frieden mit meinem Rennen, meinem Auftritt in Kona geschlossen. Das war nicht mein Tag und ich habe zumindest das Minimalziel erreicht. Es war trotzdem wieder ein herausragendes Erlebnis und ich bin eine weitere Erfahrung reicher.

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Mein persönliches Fazit: Der Urlaub war wunderschön und wird uns immer im Gedächtnis bleiben. Hawaii ist teuer. Man kann so eine lange und weite Reise auch mit zwei (Klein)Kindern unternehmen und trotzdem, oder gerade deshalb, alles besonders genießen. Wir werden wieder kommen.

Die Teilnahme bei der Ironman Weltmeisterschaft ist ein sportliches Highlight für einen Triathleten. Das es mir bereits zum 9. Mal gelungen ist dort zu starten macht mich stolz. Es zeigt mir aber auch, dass man nur in absoluter Topform konkurrenzfähig ist. Einige Tage nach dem Rennen habe ich mir schon ein paar Vorwürfe gemacht beim Lauf nicht mehr gekämpft und mich meinem Schicksal ergeben zu haben. Vielleicht schaffe ich die Qualifikation irgendwann noch einmal. Ein zehnter Start wäre schon noch ein Ziel. 🙂

Vielen Dank an alle, die mich auf dem Weg begleitet haben, mir die Daumen gedrückt haben, mit mir gefiebert haben, mir nach dem Rennen Trost zugesprochen haben und alle Gratulanten, die mir über die verschiedensten Kanäle Glückwünsche zum Finish gesendet haben.

Mahalo und Aloha, euer Uwe

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