Es ist vollbracht – Der Traum wird wahr!

Am 8. Juli 2018 habe ich ein neues Kapitel meiner Triathlon–Historie zugefügt. Was am 23.12.2017 mit dem Einstieg ins Training für den Ironman in Frankfurt begann, endete am 2. Sonntag im Juli 2018 mit einem Erfolg auf ganzer Linie.

Aber der Reihe nach. In den Wochen vor dem Rennen bekam ich langsam das Gefühl gut gerüstet zu sein, um erfolgreich in den Wettkampf zu gehen. Auch wenn ich gebeutelt von Beschwerden, Krankheit und anderen Unwegsamkeiten erst in den Osterferien so richtig ins Training einsteigen konnte, habe ich das Ziel nie aus den Augen verloren. Am Ende kamen knapp 7,5 Wochenstunden Training im Durchschnitt zusammen, was um einiges unter dem erhofften Umfang lag. Und trotzdem muss ich schon an dieser Stelle zum ersten Mal meiner Frau Julia danken, die mir für das Projekt „Hawaii 2018“ bereits im letzten Jahr grünes Licht gegeben hat und ohne ihrer Unterstützung das Projekt von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.

Der Testwettkampf im Kraichgau verlief ebenfalls vielversprechend und da ich auch in den Wochen vor Frankfurt endlich mal vor Erkältungen verschont wurde, konnte ich in den letzten Wochen am Feinschliff arbeiten. Das bei meinen Trainingsprinzipien die Qualität vor Quantität geht ist bekannt. Gepaart mit Trainingseinheiten die nur dann durchgeführt werden können, wenn sich Zeitfenster ergeben, bleibt immer ein Restrisiko, dass die Umfänge dann doch nicht ausreichen könnten. Doch dieses Jahr hat es genau gepasst.

In den letzten beiden Wochen vor dem Ironman hatte ich bereits Ferien, was mir für die mentale Vorbereitung, die letzten Einheiten und die Taperphase enorm geholfen hat. So hatte ich auch in der „Race Week“ viel Zeit mich mit der bevorstehenden Aufgabe zu befassen. Das betraf zum Einen das Checken der Mitstreiter in meiner Altersklasse (wobei ich da schon über Monate am Stalken war 😄), wie auch zum Anderen die Wettkampfwoche einfach zu genießen und alle anderen meiner Athleten – insbesondere der Rookies – noch einige Tipps mit auf den Weg geben und wiederholt zu sagen, was für ein Privileg es für jeden einzelnen ist, an so einem Sportevent teilzunehmen.

Raceday. Die Wettervorhersagen versprachen optimale Bedingungen. Sonne, Temperaturen bis 28 Grad und leichter bis mäßiger Wind aus Nord. Für mich perfekt. Das Schwimmen mit Neoprenanzug wurde final eine Stunde vor dem Start bekannt gegeben, doch hat die Entwicklung der Temperaturen vor dem Sonntag schon einiges darauf hingedeutet, so dass das nicht überraschend war.

Der „Rolling Start“ Modus wird nie mein Freund werden, da mir einfach ein Großteil der Emotion fehlt, die für mich einen Ironman ausmacht. Das Schwimmen konnte ich dann aber mit einer für mich respektablen Zeit von 1:09 Std. beenden. Ich hatte mit einer Zeit von 1:07 -1:10 Std. kalkuliert.

Nach etwas über 75 Minuten saß ich auf dem Rad. Hier fühle ich mich am wohlsten und da ich die Strecke wie meine Westentasche kenne, konnte ich mir meine Kräfte von Beginn an gut einteilen. Mein erster Spotter (Danke Schatz) riefen mir meine Platzierung am „The Beast“ zu. 2. Rang nach dem Schwimmen und 9 Minuten Rückstand. Nach 62 Kilometer überholte ich dann den bis dahin führenden meiner Altersklasse. Ich war vorne. Jetzt hieß es einen kühlen Kopf bewahren und sein Rennen mit Verstand weiter zu führen. Der Wind war nicht zu unterschätzen und als ich auf die 2. Runde ging bekam ich die Info ( Danke an Thomas Peters), dass ich einen akzeptablen Vorsprung heraus gefahren hatte. Ich fuhr das ganze Rennen gefühlt im Trainingstempo und wollte mir genügend Reserven für den Marathon aufheben.

Mit neun Minuten Vorsprung kam ich vom Rad. Jetzt habe ich meine Taktik geändert. Normalerweise erzähle ich jedem – und ich versuche das auch umzusetzen – dass man eher langsam und kontrolliert loslaufen sollte. Ich wollte ein Zeichen setzen und meinen Mitstreitern zeigen, dass ich nicht nur Radfahren kann. Schon bald hatte ich meinen Vorsprung auf 17 Minuten ausgebaut. Meine Spotter (jetzt kam auch noch mein Bruder dazu; Danke auch an Schöni, Hansi und all die anderen, die mir Abstände zugerufen haben) leisteten ganze Arbeit. Ich wusste in jedem Moment des Rennens, wo ich stand und konnte somit das Rennen und Tempo diktieren. Klar wurde ich dann am Kilometer 25 auch langsamer, aber die anderen eben auch. Bei 28 Grad war es dann doch nicht so optimal für einen Marathon in Ironman.

Nach 30 Kilometer war ich mir schon ziemlich sicher, dass mich keiner mehr überholt, wenn ich nicht total einbrechen würde. 18 Minuten Vorsprung auf Platz 2 mit noch 12 Kilometern zu laufen. Da hätten die „Kollegen“ schon über eine Minute pro Kilometer schneller laufen müssen, als ich. Und da ich auch noch unter 6min/km unterwegs war, schien mir das unmöglich. Ab Kilometer 35 habe ich da Dauergrinsen nicht mehr aus meinem Gesicht bekommen. Das Einbiegen in den Zielkanal und der Zieleinlauf waren einfach überwältigend. Mit 10:47:55 Std. (Bike 5:28:06- 185km / Run 4:01:46) bin ich zwar hinter meiner erhofften Zielzeit geblieben, aber wie die anderen Zeiten zeigten, inklusive der Profis, waren die Bedingungen nicht so einfach.

Und das geilste, ich bin Ironman European Champion 2018 in der AK60! Gleichbedeutend damit die Startberechtigung, den Slot für die Ironman World Championship auf Hawaii im Oktober.

Auch heute, eine Woche nach dem Wettkampf muss ich mich immer wieder zwicken, um zu spüren ob es wirklich wahr ist. 😃

Ich danke allen, die an mich geglaubt haben, die mich an der Strecke und im Vorfeld unterstützt haben und somit einen großen Anteil an meinem Erfolg haben. Alle aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen und wenn ich dann jemand vergessen würde, wäre da nicht gerecht. Hervorheben möchte ich trotzdem noch einmal meine Frau: Schatz, wir fliegen nach Hawaii! Ich danke dir für alles! Und: Ich bin Europameister! 😂

ANYTHING IS POSSIBLE!

Mahalo und Aloha, euer Uwe

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